Wer einmal als ZuschauerIn oder TeilnehmerIn am 100km in Biel war, hat sicher etliche Male den Speaker die "Nacht der Nächte" ausrufen hören. Und wohl fast eben so oft "La Nuit des Nuits", weil Biel ja an der Sprachgrenze zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Schweiz liegt.

"La Nuit des Nuits" "Nacht der Nächte" Im ersten Moment hört es sich vielleicht etwas überheblich an. Doch Biel, das ist wirklich ein Erlebnis der besonderen Art. Wer einmal am 100km Lauf in Biel dabei war, wird diese Nacht nicht so schnell wieder vergessen. Egal ob in 7, 12 oder 20 Stunden, es ist eine gewaltige körperliche Herausforderung 100km zu Fuss zurückzulegen - selbst für viele erprobte MarathonläuferInnen eine grosse Hürde.

Und nicht nur körperlich ist der Lauf eine grosse Herausforderung, sondern mental ebenfalls. Mut ist erforderlich, sich auf diesen Weg zu begeben, Unwägbarkeiten begleiten die Laufenden durch die Nacht, Grenzerfahrungen, Entdeckung eigener innerer Grenzen, diese überschreiten und sich in ein neues Land von Erfahrungen wagen.

Wie hat eigentlich alles angefangen? Es war eine dunkle, kalte Novembernacht, der Nebel hing tief herunter, als 1959 sich um Mitternacht beim Schulhaus in Biel-Madretsch 35 Freunde und Bekannte zusammenfanden, um zum ersten Mal die 100km von Biel zurückzulegen:
Mehr zur Geschichte des 100km Laufes von Biel

Mehr als 100'000 Läuferinnen und Läufer aus ganz Europa sind in all den Jahren dieser einzigartigen Faszination erlegen. Rund ein Dutzend Mal legten Spitzenläufer die 100 Kilometer unter 7 Stunden zurück, trotz der recht beachtlichen Höhendifferenzen, etwa einem Drittel Feldwege ohne Asphalt und natürlich der Dunkelheit.

Doch für die Meisten stand nicht ein Spitzenplatz in Vordergrund, sondern die Herausforderung dieses Wagnis überhaupt anzugehen. Nur wer selbst dabei war, Höhen und Tiefen miterlebte, die Prüfung über Distanz und Zeit bestand, kann begreifen, dass einem im Ziel die Glückseligkeit zu Füssen liegt.

Für die jeweils rund 2000 Startenden (in den 70er und 80er Jahren waren es zeitweise sogar über 4000) ist aber nicht zuletzt die einmalige Ambience ein wesentlicher Grund eine weite Anreise auf sich zu nehmen, um am traditionsreichen Bieler 100 km Lauf starten zu können. Oftmals werden 100km wegen der einfacheren Organisation auf viel kürzeren Rundstrecken gelaufen, wo dann entsprechend viele Runden zu absolvieren sind.

Zuschauer, deren Haus direkt an der Strecke liegt:


Das einmalige Erlebnis eine Nacht lang ohne einen einzigen Kilometer Wiederholung an Wiesen und Äckern entlang, durch Wälder und Dörfer zu laufen, das gibt es nur in Biel. Und die Zahl der Zuschauer, welche bis in den Morgen hinein die LäuferInnen anfeuern, kann sich durchaus mit der Zahl der Läuferinnen und Läufer messen.




Wiesen, Felder und Wälder wirken in der Nacht mystischer. Die Sichtweite ist stark reduziert und im wenigen Licht entstehen immer wieder überraschende Begegnungen, welche schon im nächsten Moment wieder von der Dunkelheit verschluckt werden. Wiederkäuende Kühe liegen auf der Weide am Streckenrand und schauen dem emsigen Treiben mit einer Gelassenheit zu, als würde dieser quirlig blinkende Tross jede Nacht an ihnen vorbei ziehen.

Die klassische Schweizer Kuh mit Hörnern sieht man zwar häufig Bildern, jedoch eher selten auf den Weiden. Damit die Zahl der Kühe und Ziegen mit Hörnern wieder zunimmt, wurde die Hornkuh-Initiative lanciert. Schon bald stimmen deshalb die Stimm­berechtigten der Schweiz über eine Änderung der Bundesverfassung ab, ob durch finanzielle Anreize dafür gesorgt werden soll, dass bei Kühen und Ziegen die Enthornung seltener wird.
⇒ Hornkuh-Initiative / IG Hornkuh
letzte Änderung: 04.08.17