Holzbrücke Aarberg

Auf der Holzbrücke vor dem Städtchen Aarberg werden die Läuferinnen und Läufer immer frenetisch willkommen geheissen. Tosender Applaus und Anfeuerungsrufe begleiten über die hell erleuchtete Brücke:




Die Brücke mit Baujahr 1568 ist deshalb 60 Meter lang, weil sie einst über den Fluss Aare führte. Mit dieser Brücke war das Städtchen Aarberg in früheren Jahrhunderten von strategischer Bedeutung. Schaut man heute bei Tageslicht unter die Brücke, so sieht man nur noch einen Bach unter der langen Brücke durch fliessen. Wo ist die Aare geblieben? Das Satellitenbild zeigt, dass der heutige Verlauf der Aare (hellblaue Punkte) kurz vor Aarberg (lila Pfeil, ebenfalls lila die 100km Strecke) nach links zum Bielersee abbiegt. Noch bis zum Jahr 1878 floss die Aare hingegen unter der Holzbrücke von Aarberg hindurch und via Lyss nach Büren (gelbe Punkte).


(Hinweis: Auf diesem Bild ist übrigens der frühere Verlauf der 100km Strecke eingezeichnet,
so wie der Streckenverlauf für die Austragungen von 2004 bis 2010 war)


Die Gegend beim Bieler-, Neuenburger- und Murtensee, das sogenannte Seeland, war seit der Eiszeit eine flache Ebene mit vielen sumpfigen Gebieten und bei Aare-Hochwasser wurden immer wieder grosse Flächen überschwemmt. Im 19.Jahrhundert wurde das Mammut-Projekt der Juragewässerkorrektion in Angriff genommen. Die Aare wurde über den Hagneck-Kanal von Aarberg in den Bielersee umgeleitet. Und mit weiteren Kanälen wurde erreicht, dass der Seespiegel um 3.5 Meter absank.

Etwa 6 Kilometer nach dem Start führt die 100km Strecke über die Brücke des Regulierwehrs in Port. Dort wird der Wasserabfluss aus Bieler-, Neuenburger- und Murtensee reguliert, so dass eine Hochwasserwelle aus den Alpen über diese drei Seen gedämpft werden kann und weiter unten am Aarelauf Überschwemmungen verhindert werden können. Das folgende Foto aus dem Jahr 1940 zeigt den Bau des heutigen Regulierwehrs mit der integrierten Brücke, über welche auch dieses Jahr wieder tausende von 100km Teilnehmern laufen werden:




Emmendamm

Etwa drei Viertel der 100km Strecke sind asphaltiert. Aber auch die meisten nicht asphaltierten Abschnitte sind noch relativ gute Wege, welche mit etwas Vorsicht auch im Dunkeln gut gelaufen werden können. Die Abschnitte mit dem schlechtesten Untergrund liegen zwischen Kirchberg (KM56) und Gerlafingen (KM67). Hier führt die Strecke mal auf dem Hochwasserschutz-Damm und mal neben dem Damm entlang dem Ufer des Flusses Emme.

Vor allem auf der ersten Hälfte von Kirchberg (KM56) bis Utzenstorf (KM62) hat es anspruchsvolle Stellen, weil die Strecke zum grössten Teil direkt auf dem Damm verläuft. Das folgende Bild zeigt Abschnitte irgendwo um KM60:



Was tagsüber noch einigermassen harmlos aussieht, kann bei Dunkelheit durchaus seine Tücken haben:




Ein weiteres Bild von diesem Abschnitt (Quelle → Werner Winkhold):




Durch die zum Teil dichte Bewaldung kann es in der Nacht hier sehr finster sein, so dass man in den Weg hängende Äste übersieht, über die zum Teil faustgrossen herumliegenden Steine stolpert, an Wurzeln hängen bleibt, oder vor allem bei Nässe ausrutschen kann.
Ganz am Anfang (im Bild links, KM57) und nach Utzenstorf (im Bild rechts) ist der Emmendamm leichter zu laufen:




Wer nach 4:30 Uhr morgens den Posten Kirchberg passiert (bis Kirchberg also im Durchschnitt langsamer als 7 min/km läuft), muss sich keine allzu grossen Gedanken um den Emmendamm machen. Sobald des hell wird ist der Abschnitt nicht mehr sehr kritisch. Die Spitzenläufer laufen aber schon zwischen 2 und 3 Uhr morgens hier durch, weshalb viele der schnellen LäuferInnen eine Stirnlampe oder ähnliche Lichtquelle benützen, bzw. wer kein eigenes Licht dabei hat, kann versuchen sich LäuferInnen mit Licht anzuschliessen.

Der Emmendamm-Abschnitt wird unter den Läufern auch Ho-Chi-Minh-Pfad genannt. Dieser Name leitet sich vom weit verzweigten Netzwerk aus Strassen und Wegen ab, über welches im Vietnamkrieg von Norden her die vietnamesischen Kämpfer im Süden Nachschub erhielten.

Der in Amerika und Europa gebräuchliche Begriff für den vietnamesischen "Ho-Chi-Minh"-Pfad bezieht sich auf den Präsidenten von Nordvietnam, der den Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes anführte. Damit trotz der vielen Luftangriffe durch US-Kampfflugzeuge täglich mehrere hundert Tonnen Material durchgeschleust werden konnten, waren neben den einfacher aufzuspürenden Strassen für LKWs vor allem die fein verzweigten Radwege und Fusspfade dafür verantwortlich, dass die Amerikaner trotz brutalem und rücksichtslosem Vorgehen (im gesamten Krieg starben mehr als 2'000'000 Vietnamesen, und wegen genetisch bedingten Missbildungen durch die Entlaubungs-Dioxine leben heute rund 1'000'000 körperlich geschädigte Menschen in Vietnam) den rund 1000km langen Nachschubweg nie entscheidend blockieren konnten.

Zumindest verglichen mit dem ursprünglichen vietnamesischen Ho-Chi-Minh-Pfad, ist der Emmendamm Abschnitt vergleichsweise kurz und ungefährlich. Mit etwas Vorsicht sind die paar Kilometer Bieler Ho-Chi-Minh-Pfad für die Teilnehmer am 100km Lauf sturzfrei zu bewältigen.


letzte Änderung: 02.08.18