Begleitung

Vorweg nochmals, was ich schon an anderer Stelle geschrieben habe: Es ist problemlos und ohne gravierende Nachteile möglich, die 100km ohne persönliche Begleitpersonen zu bewältigen. Der Bieler 100km Lauf darf sicher zu den ganz gut organisierten Läufen gezählt werden. Insgesamt sind 18 Verpflegungsposten mit reichhaltigem Angebot über die Strecke verteilt, 7 davon haben zudem Sanitäts-Personal, wo man sich kleinere Leiden direkt an der Strecke behandeln lassen kann. Zudem kann man sich eine Tasche mit Kleidern etc. nach Kirchberg KM56 als persönliches Depot bringen lassen:
→ Kleidertransport Kirchberg

Es ist ja so, dass nach wie vor die meisten Läuferinnen und Läufer die Strecke ohne Unterstützung durch Begleitpersonen laufen. Jeder, der in Erwägung zieht sich begleiten zu lassen, sollte auch an das Chaos denken, welches entstehen würde, wenn ein Tross von 3000 BegleiterInnen mit den LäuferInnen durch die Nacht ziehen würde. Auch dieses Jahr werden sicherlich mehrere Hundert Velos zwischen den Laufenden auf der Strecke sein. Da wird wohl manch erfahrener Biel-Teilnehmer etwas wehmütig an die ruhigeren Zeiten vor 15 oder 20 Jahren zurück denken, als beim Laufen in der Nacht der meditative und manchmal fast etwas surreal wirkende Aspekt des einsamen "Tapp, Tapp, Tapp..." durch die Nacht noch deutlicher zu spüren war, weil die Zahl der Fahrrad-BegleiterInnen auf der Strecke noch wesentlich geringer war.

Auf zwei Abschnitten sind zur Verhinderung von Unfällen die LäuferInnen unter sich, denn die folgenden beiden Abschnitte sind für Begleit-Radfahrer gesperrt:
- vom Start bis Lyss KM22
- der Emmendamm von Kirchberg KM56 bis vor Gerlafingen KM67
Routen und Hinweise zur Begleitung


Ausrüstung

Grundregel Nummer 1 ist wie bei der Ernährung: keine Experimente mit Dingen, die man nicht schon früher getestet hat. Für die ganz langen Trainings ist es sicher sinnvoll schon mal die Laufschuhe einzusetzen, welche man für den 100km Lauf vorgesehen hat.

Vor grosser Bedeutung ist natürlich die Wahl der richtigen Kleider, entsprechend den Wetterprognosen (Wetter-Bulletins werden von der Organisation jeweils vor dem Start bekannt gegeben, damit man noch sich noch kurzfristig auf heiss oder nass einstellen kann). Auf jeden Fall sollte man nicht unterschätzen, dass die Nacht gegen Morgen hin kühl wirken kann, wenn nach ein bis zwei Mal Marathondistanz der Körper vielleicht nicht mehr so arg viel an überschüssiger Heizwärme erzeugt.

Es werden der Strecke entlang an 9 Orten Toiletten für die LäuferInnen aufgestellt. Trotzdem ist es empfehlenswert etwas Toilettenpapier für unterwegs dabei zu haben. Standorte der Toiletten sind Aarberg KM17.5, Scheunenberg KM30.5, Oberramsern KM38, Buechhof KM44.5, Jegenstorf KM47.5, Kirchberg KM56, Utzenstorf KM62.5, Gerlafingen KM67 und Bibern KM76.5:
Streckenplan (PDF) → www.reygrafik.ch

Weil alle 5km die Distanz angeschrieben steht, ist natürlich sinnvoll eine Uhr dabei zu haben. So kann man unterwegs gut abschätzen wie schnell man vorankommt. Ob man dann auch noch einen Pulsmesser tragen will ist hingegen zu hinterfragen, aufgrund der sehr langen Laufdauer ist man sowieso in einem relativ tiefen Pulsbereich, so dass es wohl besser ist das Tempo nach Gefühl und aktuellem Wohlbefinden zu richten.

Wenn man vor der Morgendämmerung über den Emmendamm zwischen Kirchberg und Utzenstorf läuft, ist eine kleine Lampe zur Ausleuchtung der Finsternis nützlich. Eine kleine, leichte LED-Stirnlampe mit zu tragen ist deshalb durchaus in Erwägung zu ziehen, allerdings kann man sich auch die Taktik zurechtlegen, heikle Abschnitte gehend zurück zu legen oder hinter anderen Teilnehmern mit Beleuchtung zu laufen.
Es ist Ansichtssache, ob man eher dem wenigen natürlichen Licht der Nacht den Vorzug gibt, oder dem Licht der Stirnlampe, welche wackelnd nur gerade die nächste Umgebung ausleuchtet. Der allgemeine Trend geht aber deutlich Richtung Stirnlampe: gemäss grober Schätzung aufgrund der Startbilder laufen heute etwa 40 bis 50% der 100km-LäuferInnen mit Stirnlampe los.


Selbstverständlich dabei ist natürlich die Startnummer sowie der Chip für die Zeitmessung. Startnummer und Zeitmess-Chip werden als Einheit abgegeben und werden so an der Kleidung befestigt (die seit 2010 verwendeten Datasport-Chips haben eine viel grössere Reichweite als früher, als noch das Tragen am Schuh nötig war).
Praktisch ist die Verwendung eines Startnummernbandes (Bild unten) anstatt die Startnummer mit Sicherheitsnadeln an der Kleidung zu befestigen. Besonders wenn man bei wechselhaftem Wetter die Kleidung anpassen muss, ist es vorteilhaft, wenn man nicht mit Sicherheitsnadeln herumhantieren muss.


Und noch ein Hinweis: Auf der Strecke gibt es in der Regel ein oder mehrere mobile Kontrollposten, deren Position nicht zum voraus bekannt ist. Bei diesen Posten erhält man einen Kontrollstempel auf die Startnummer (deshalb also nicht erschrecken, wenn man unerwartet auf einen hell erleuchteten Posten trifft und eine Kontrollperson nach der Startnummer greift).


Manche LäuferInnen tragen einen Bidon-Gurt mit, um das Trinken optimal verteilen zu können. Weil über die 100km insgesamt 18 Verpflegungsposten verteilt sind, hält sich der Abstand von Posten zu Posten in Grenzen. Zieht man es vor nur an den Verpflegungsstellen zu trinken, weil ein Trink-Gurt beim Laufen auch etwas störend sein kann, sollte man sich unbedingt genug Zeit lassen, damit man sich ausreichend mit Flüssigkeit versorgen kann.

Die inzwischen sehr handlichen MP3-Player zählen ebenfalls häufig zu den Ausrüstungs-Gegenständen der Läuferinnen und Läufer für die 100km von Biel. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass die Akkus für die gesamte Laufzeit meist zu schwach sind und dass es bei der relativ hohen Dichte an Teilnehmern und Fahrrad-Begleitern auf der Strecke vom Sicherheitsstandpunkt her klar besser ist, wenn das Laufgeschehen nicht von Musik übertönt wird, und Warnungen gegebenenfalls nicht gehört werden können.

Einige bürden sich sogar noch einen Fotoapparat auf. Als Erinnerungsbilder oder für einen Lauf-Bericht im Internet ist es natürlich toll unterwegs Fotos schiessen zu können. Allzu sehr vollpacken sollte man sich für den 100km Lauf jedoch nicht. Am besten ist es, nur so wenig wie möglich mit zu tragen, beziehungsweise nur soviel wie unbedingt notwendig.


Fragen & Antworten

... es war wieder ein wunderbares Erlebnis den 100er zu bestehen. Nur war der Lauf für mich sehr hart! Durch die Nässe gab es aber dicke Blasen an den Füssen. Wie sorgt ihr vor, dass ihr keine Blasen kriegt? ...
... mein Rezept gegen Blasen: Füsse waschen, gut abfrottieren und noch eine Weile an der Luft trocknen lassen. Dann "Deo Control Fuss-Gel Antitranspirant" (Marke Scholl) einreiben und trocknen lassen. Danach mit Hirschtalg (Marke Scholl) die Füsse rundum und auch zwischen den Zehen einreiben (und - sofern man die Zeit hat - einwirken lassen). Danach ziehe ich meine Teflonsocken an und achte darauf, dass diese faltenfrei sitzen ...
... ich habe mit Melkfett beziehungsweise Vaseline sehr gute Erfahrungen gemacht. Füsse (speziell auch zwischen den Zehen) vor dem Laufen reichlich mit Melkfett einschmieren. Darüber bereits getragene Socken. An das neue Laufgefühl gewöhnt man sich schnell ...
... habe immer meine Füsse (auch zwischen den Zehen) intensiv mit Bepanthen Salbe eingerieben. Dann Fusspuder in die Socken und in die Laufschuhe. Auf gut eingelaufene Schuhe achten und keine neuen oder frische Socken tragen ...
... hatte bei 5 x Biel schon mehr als einmal unterwegs Probleme mit Blasen bekommen. Glücklicherweise konnten die Damen und Herren der Erste Hilfe Stationen (Dank und Kompliment!) mich wieder fit machen. Also sich die Stationen Ammerzwil, Oberramsern, Kirchberg, Gerlafingen, Bibern und Pieterlen gut merken, beim Vorbeilaufen kurz fühlen ob Blasen am entstehen sind (eventuell nachschauen, das kann eine gut investierte Minute sein) und bei Bedarf rechtzeitig (!) bei der Sanität um Linderung bitten ...
... das Sockenwunder von Biel wurde wahr! Brandneue, nie getragene, unbekannte Socken von Rohner mit ein wenig Vaseline zwischen den Zehen haben mich völlig blasenfrei 100 km überstehen lassen ...

... wenn die Fahrräder auf dem dunklen Emmendamm (Ho-Chi-Minh Pfad) nicht mitfahren dürfen, darf dann Begleiter zu Fuss mit mir Mitlaufen und den Weg beleuchten ...
... die Details zur Begleitung sind in den Wettkampfbestimmungen auf 100km.ch geregelt: "Die Benützung fremder Mittel (Fahrräder, Autos usw.) ist strikte untersagt. Ausnahme Begleitradfahrer des 100-km-Laufes mit einer Lizenz der Bieler Lauftage. Begleitung erst ab Lyss und ohne Emmendamm möglich. Begleitung zu Fuss ist nicht erlaubt. Weisungen des Veranstalters und der Helfer sind einzuhalten. Nicht Befolgen hat die Disqualifikation vom Lauf zur Folge." Begleitung zu Fuss ist also ausnahmslos verboten ...

... wie sieht denn das in Lyss aus mit dem Treffpunkt der Radfahrer? ist es möglich durchzulaufen und 100% sicher seinen Biker zu finden? ich stell mir das ziemlich unübersichtlich vor, wenn hunderte Biker auf ihre Läufer warten ...
... Du hast recht, in Lyss ist ein Puff! Mein Tipp: Entweder Du und Dein Begleiter kennt Lyss genau, damit Ihr einen exakten Treffpunkt abmachen könnt. Oder für Ortsunkundige: Macht doch bei der 25km Tafel ab, da kommt Ihr beiden hoffentlich wohl vorbei ...

... bin selber Läuferin, habe betreffend Velobegleitung folgende Erfahrungen gesammelt: wartet auf Eure Läufer besser nicht mitten in Lyss, sondern eher ausserhalb, nach dem Anstieg. Vor allem so lange die Marathonläufer mit auf der Strecke sind, ist es für Euch nicht einfach, denn die Gefahr, dass Ihr keinen Läufer touchiert oder behindert müsst Ihr im Auge behalten...

... es wird wohl dieses Jahr lang und/oder stark regnen, was zieht ihr an? ...
... ich werde mir ein leichtes Langarmshirt anziehen, eine kurze Hose und eine leichte Jacke darüber ...

... ist es als Läufer ratsam eine Kopflampe zu tragen? ...
... ich nehme heuer das 8. Mal am 100km teil. Eine Stirnlampe halte ich für empfehlenswert, insbesondere beim holprigen Weg der Emme entlang, falls du vor 4 Uhr dort durchläufst. Es gibt auch andere Passagen (Feldwege) wo eine Lampe nützlich sein kann, hängt von Mond und Wolken ab ...
... ich bin bisher alle 3 Läufe ohne Stirnlampe gelaufen und hatte keine wesentlichen Probleme. Beim Emmendamm muss man schon aufpassen, wegen Steinen und Löchern, wenn man unter 11 Stunden Gesamtzeit läuft ist es beim Emmendamm düster, aber mit Glück laufen gerade andere mit Lampe durch...

... kann ich meine Stirnlampe nach dem Emmendamm für Rücktransport deponieren? ...
... nein, einzig hinbringen kannst du lassen zum Posten Kirchberg vor Emmendamm (und dort allenfalls etwas verstauen in der Tasche zurück), aber sonst heisst es selber tragen (oder wenn möglich besser verzichten) ...

... meine Premiere in diesem lauf rückt näher, in 10 Tagen gehts los. Nun doch eine etwas seltsame frage: sollte man bezüglich schwitzen seine Unterwäsche während dem Lauf auch mal wechseln? besteht nicht die Gefahr sich Wund zu reiben? ...
... unter uns: Unterwäsche scheuert bloss, besser weglassen: Turnhöschen, Leibchen, Mütze, Socken und Turnschuhe - that's it (jedenfalls für den Zieleinlauf, für die Nacht eventuell noch etwas Langärmliges). Auf jeden Fall Vaseline einschmieren im Schritt. Ein bisschen Vaseline auch auf die Brustwarzen und ein Pflästerchen drauf kleben (wasserfestes natürlich) ...

... sind Nordic-Walking Stöcke auf der 100km Strecke erlaubt? ...
... im Prinzip Nein. Aber als sportlichen Kompromiss lässt die Organisation dennoch Nordic-WalkerInnen zu, wenn Sie sich ganz am Ende des Startfelds einreihen und sorgsam drauf achten unterwegs niemanden zu behindern oder zu gefährden ...

letzte Änderung: 23.01.16